Weniger Komplexität, höhere Anforderungen an Umsetzbarkeit und Plausibilität
Die ersten Informationen zum nächsten Innovation Fund Aufruf 2026 (IF26) deuten nicht auf einen grundlegenden Kurswechsel hin. Der Net-Zero Technologies Call (inkl. der Förderthemen für große, mittlere und kleine Projekte sowie Pilotprojekte und Manufacturing) bleibt voraussichtlich das zentrale Förderinstrument, und auch die grundlegenden Förderbedingungen scheinen weitgehend unverändert zu bleiben.
Trotzdem zeichnen sich Änderungen ab, die für Antragsteller strategisch relevant sind. Der Innovation Fund dürfte mit dem Aufruf in 2026 an einigen Stellen einfacher werden. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen daran, ob ein Projekt technisch, regulatorisch und marktseitig überzeugend aufgestellt ist.
Nach aktuellem Stand sind vor allem fünf Entwicklungen relevant:
Die bewährte Call-Struktur des IF bleibt im Kern stabil, zusätzlich sollten aber bestimmte Zielgruppen spezifischer angesprochen werden. Neben dem Net-Zero Technologies Call sind unter anderem eine zweite Heat Auction, eine vierte European Hydrogen Bank Auction, ein eigener Maritime Call und ein SME Call für Small-Scale Projects geplant.
Mit dem geplanten Maritime Call erhalten maritime Dekarbonisierungsprojekte künftig mehr Sichtbarkeit im Innovation Fund und voraussichtlich ein eigenes Budget.
Auch für SMEs ist ein eigener Call für Small-Scale Projects vorgesehen. Im Rahmen dieses SME-Calls wird ein vereinfachter Antragsprozess mit reduzierten Informationsanforderungen, einem vereinfachten GHG Calculator sowie vereinfachtem Reporting und Monitoring geprüft. Einzelne Bewertungskriterien wie GHG, Cost Efficiency und Replicability könnten dabei auf eine pass/fail-Bewertung reduziert werden.
Nach aktuellem Stand werden für den SME-Call zwei Deadlines geplant: März 2027 und September 2027. Auch die Evaluierung soll beschleunigt werden und voraussichtlich für die März-Einreichung bis Juni und für die September-Einreichung bis Dezember abgeschlossen sein.
Größere KMU-Projekte dürften jedoch weiterhin dem Net-Zero Technologies Call zuzuordnen sein.
Der IF26 wird voraussichtlich nicht grundlegend anders, aber die Gewichtung verschiebt sich, so sollen z.B. relative Emissionsminderung, die Genehmigungsplanung und der Beitrag zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit bei der Bewertung stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig bedeuten die angekündigten administrativen Vereinfachungen nicht, dass die Komplexität der Antragstellung deutlich reduziert wird. Entscheidend für einen Erfolg beim IF 2026 wird sein, ob ein Projekt unter den erwarteten IF26-Anforderungen schlüssig dargestellt und auch belastbar begründet werden kann.
Unternehmen sollten deshalb nicht bis zur Veröffentlichung der Calls warten, um die Erfolgsaussichten ihres Projekts zu prüfen. Ein genauer Blick lohnt sich bereits jetzt: Viele Aspekte, die später über die Qualität des Antrags entscheiden, können auf Basis der grundsätzlichen Kontinuität des Programms und den zur Verfügung stehenden Informationen zu Änderungen schon jetzt eingeschätzt werden. Dazu gehören Genehmigungsstand, regulatorische Abhängigkeiten, Investitionsannahmen, Emissionsberechnung, Skalierbarkeit und technische Einordnung.
Bei mehreren potenziellen Vorhaben lohnt sich außerdem eine frühe Portfolio-Sichtung: Welche Projekte passen voraussichtlich (am besten) zur IF26-Struktur, welche Annahmen müssen noch definiert werden, und wo besteht vor einer Antragstellung noch Klärungsbedarf? Unser IF-Team prüft sowohl einzelne Vorhaben als auch Projektportfolios, hinterfragt kritische Annahmen, klärt, wo noch Nacharbeit nötig ist und welche Arbeitsschritte bereits vor der Call-Veröffentlichung angegangen werden können.
Barbara Bendaoud
Senior Consultant
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