July 06, 2026

IF26 Heat Auction: attraktive Förderung für die Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme

Die Europäische Kommission bereitet mit der IF26 Heat Auction ein neues Förderinstrument für die Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme vor. Der veröffentlichte Entwurf der Förderbedingungen zeigt, welche Projekte künftig Chancen auf Unterstützung haben. Für viele energieintensive Unternehmen kann die Auktion ein wichtiger Baustein sein, um fossile Wärme durch klimafreundlichere Alternativen zu ersetzen.

Das Programm ist mit 1 Milliarde Euro ausgestattet und soll Investitionen in elektrifizierte, direkt erneuerbare oder nukleare Wärmelösungen beschleunigen. Förderfähig sind zum Beispiel Wärmepumpen, Elektrodenkessel, Plasmaerhitzung, Solarthermie, Geothermie oder kleine modulare Reaktoren zur industriellen Wärmeerzeugung.

Im Mittelpunkt steht ein wettbewerbliches Bieterverfahren: Unternehmen geben an, welche Förderung sie pro erzeugter Wärmeeinheit benötigen. Daraus wird berechnet, wie hoch die Kosten pro vermiedener Tonne CO₂ sind. Projekte mit besonders niedrigen Minderungskosten werden zuerst berücksichtigt. Wer ein Gebot abgibt, muss die passende Prämie also selbst festlegen. Genau darin liegt eine große Chance, aber auch eine strategische Herausforderung.

Wie die IF26 Heat Auction funktioniert

Die Heat Auction wurde als Pilot für die künftige Industrial Decarbonisation Bank konzipiert. Das Verfahren folgt einem klaren Prinzip:

  • Unternehmen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum reichen ein Gebot ein und geben an, wie viel Förderung sie pro produzierter Wärmeeinheit benötigen, also in Euro pro MWhth. Zusätzlich nennen sie die erwartete jährliche Wärmemenge. Die voraussichtliche CO₂-Minderung wird anschließend anhand des Wärme-Benchmarks der Phase 4 des EU-Emissionshandelssystems berechnet.
  • Die Projekte werden nach den geringsten Kosten pro vermiedener Tonne CO₂ sortiert. Die günstigsten Gebote erhalten zuerst den Zuschlag, bis das jeweilige Budget ausgeschöpft ist.
  • Die Förderung wird für die tatsächlich erzeugte elektrifizierte, direkt erneuerbare oder nukleare Wärme gewährt. Sie kann bis zu fünf Jahre nach Inbetriebnahme gezahlt werden.

Gebote werden in zwei Kategorien eingereicht, den sogenannten „Auction Baskets“:

Wärmebereich des Projekts Projektgröße Budget Maximales Projektbudget
Mittlere Temperaturen (100-400°C)* ≥ 3 MWth 700 Mio. Euro 100 Mio. Euro
Hohe Temperaturen (> 400 °C) ≥ 3 MWth 300 Mio. Euro 250 Mio. Euro

 

* Projekte im Bereich von 80–100 °C können ebenfalls in der Kategorie für mittlere Temperaturen förderfähig sein. Voraussetzung ist eine Leistung von mehr als 10 MW sowie der Einsatz von Wärmepumpen mit einem COP > 1,5, direkt erneuerbarer Wärme oder nuklearer Wärme.

Die Gebote erfolgen nach dem „Pay-as-bid“-Prinzip, das heißt: Jeder erfolgreiche Bieter erhält die von ihm beantragte Prämie, anstatt eines einheitlichen Zuschlagspreises.

Für welche Unternehmen ist die IF26 Heat Auction interessant?

Die IF26 Heat Auction richtet sich vor allem an Industrien mit Prozesswärmebedarf im mittleren oder hohen Temperaturbereich. Dazu gehören die Chemie- und Petrochemieindustrie, die Metall- und Glasherstellung, die Papier- und Keramikindustrie sowie die Lebensmittelverarbeitung, Textilindustrie und Baustoffproduktion

Wichtige Fördervoraussetzungen sind unter anderem:

  • Die Anlage muss sich im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) befinden.
  • Es müssen neue elektrifizierte, direkt erneuerbare oder nukleare Wärmetechnologien eingesetzt werden. Fernwärme und Raumwärme sind nicht förderfähig.
  • Die erzeugte Wärme muss in der Regel über 100 °C liegen. Bei Projekten mit mehr als 10 MW können auch Temperaturen ab 80 °C förderfähig sein, wenn Wärmepumpen mit einem COP > 1,5, direkt erneuerbare Wärme oder nukleare Wärme genutzt werden.
  • Das Projekt darf zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht im Bau sein.
  • Für Projekte in der Kategorie mittlere Temperaturen muss der Financial Close innerhalb von zwei Jahren nach Unterzeichnung der Finanzhilfevereinbarung erreicht werden. Die Inbetriebnahme muss innerhalb von vier Jahren erfolgen. Für Hochtemperaturprojekte gelten längere Fristen von 2,5 Jahren bis zum Financial Close und fünf Jahren bis zur Inbetriebnahme.
  • Die Mindestleistung liegt bei 3 MWth.

Nationale Zusatzförderung über Auction-as-a-Service

Über den Auction-as-a-Service-Mechanismus können Mitgliedstaaten zusätzliche nationale Mittel bereitstellen. Dieses Instrument wurde bereits in früheren Auktionen des Innovation Funds genutzt. Ob und in welchem Umfang es für die IF26 Heat Auction nationale Aufstockungen geben wird, hängt von den Beiträgen der teilnehmenden Mitgliedstaaten ab. Weitere Informationen werden erwartet, sobald die entsprechenden Zusagen vorliegen.

Worauf Unternehmen bei der Antragstellung achten sollten

Die IF26 Heat Auction bietet erhebliche Förderchancen. Gleichzeitig sind die Anforderungen anspruchsvoll. Unternehmen sollten daher frühzeitig prüfen, ob Projektkonzept, Zeitplan, Genehmigungen und Finanzierungsstruktur zu den Vorgaben passen.

Besonders wichtig sind folgende Punkte:

  • Für die Projektdurchführung ist eine Bankgarantie in Höhe von 6 % des maximalen Zuschusses erforderlich.
  • Bereits bei Antragstellung müssen technische und finanzielle Reife überzeugend nachgewiesen werden. Dazu gehören eine belastbare Machbarkeitsstudie, eine Genehmigungsstrategie und eine fundierte Risikoanalyse.
  • Projekte mit Energiespeichern, hocheffizienten Wärmepumpen mit einem COP > 1,5, direkt erneuerbarer Wärme oder nuklearer Wärme können unter bestimmten Voraussetzungen von einem Gebotsbonus und höheren förderfähigen Wärmemengen profitieren.

Wann startet die IF26 Heat Auction?

Der Call soll im Dezember 2026 veröffentlicht werden. Anträge können dann voraussichtlich bis Februar 2027 eingereicht werden. Die endgültigen Förderbedingungen werden für Herbst 2026 erwartet.

Nutzen Sie unsere Erfahrung im Innovation Fund

Für Industrieunternehmen mit hohem Wärmebedarf kann die IF26 Heat Auction ein wichtiger Finanzierungsbaustein auf dem Weg zur Klimaneutralität sein. Entscheidend ist jedoch eine sorgfältige Vorbereitung: Nur wer die Förderlogik versteht, die eigene Kostenstruktur realistisch einschätzt und eine überzeugende Gebotsstrategie entwickelt, hat gute Chancen auf Erfolg.

Unsere Expertinnen und Experten haben in den vergangenen Jahren zahlreiche energieintensive Unternehmen und Konsortien erfolgreich bei Anträgen im Rahmen des Innovation Funds begleitet. Nehmen Sie Kontakt mit unseren Fachleuten für Energie, Chemie und Hochtemperaturindustrien auf über das Kontaktformular am Ende dieser Seite oder telefonisch unter (0211) 650 400 20.

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