September 15, 2026

ERC-Fördermittel 2027:
So prüfen Sie, ob Ihr Antrag bereit ist

Da mehrere ERC-Ausschreibungen für 2027 bevorstehen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für Forschende, zu prüfen, ob ihr Antrag bereits ausgereift genug für eine Einreichung ist. Auch wenn sich die konkreten Anforderungen der einzelnen ERC-Förderprogramme unterscheiden, lautet die grundlegende Frage doch immer gleich: Ist die Forschungsidee ausreichend ambitioniert, ausgefeilt und überzeugend, um eingereicht zu werden?

Die wichtigsten Termine für die ERC-Ausschreibungen sind:

ERC-Ausschreibung Beginn Einreichungsfrist
ERC Starting Grant 2027 22. Juli 2026 14. Oktober 2026
ERC Consolidator Grant 2027 24. September 2026 12. Januar 2027
ERC Synergy Grant 2027 17. Februar 2027 11. Mai 2027
ERC Advanced Grant 2027 27. Mai 2027 26. August 2027
ERC Plus Grant 2027 1. Juni 2027 1. September 2027

Bitte beachten Sie: Diese Termine sind vorläufig und sollten stets anhand der aktuellsten Informationen des ERC und des EU-Portals für Fördermittel und Ausschreibungen überprüft werden.

Ein wettbewerbsfähiger ERC-Antrag erfordert mehr als nur eine starke wissenschaftliche Idee. Er benötigt eine klare Forschungsvision, eine überzeugende Darstellung des Durchbruches, ein schlüssiges Projektkonzept und eine gute Übereinstimmung zwischen dem Projektleitenden und der vorgeschlagenen Arbeit.

In der Praxis zeigen sich viele Schwächen eines Antrages bereits vor der eigentlichen Ausarbeitungsphase. Ist das Kernkonzept nicht ausreichend durchdacht, der wissenschaftliche Fortschritt nicht erkennbar oder stützt die Methodik das angestrebte Ziel nicht eindeutig, dürfte es dem Antrag schwerfallen, das Gutachtergremium zu überzeugen – selbst wenn die zugrunde liegende Forschung hervorragend ist.

Vor der Ausarbeitung des vollständigen Antrages sollten Antragstellende daher prüfen, ob das Projekt konzeptionell ausgereift ist.

ERC Readiness Checklist – Checkliste für die Einreichung eines ERC-Antrags

Was bedeutet „Antragsreife“ im Zusammenhang mit ERC-Anträgen?

Bei der Antragsreife geht es nicht nur darum, genügend Zeit zum Verfassen des Antrages zu haben. Es kommt vielmehr darauf an, ob das Projekt ausreichend ausgereift ist, um als wettbewerbsfähiger ERC-Antrag bewertet zu werden.

Ein Antrag kann technisch gut strukturiert und dennoch nicht antragsreif sein, wenn:

  • der Durchbruch nicht unmittelbar erkennbar ist;
  • das Projekt eher als inkrementelle Forschung, denn als Pionierforschung erscheint;
  • die Ziele, Methodik und der erwartete wissenschaftliche Fortschritt nicht vollständig aufeinander abgestimmt sind;
  • das Profil des Hauptforschenden nicht eindeutig mit den Ambitionen des Projektes verknüpft ist;
  • bei der Begutachtung kein Überblick über die wissenschaftliche Logik vermittelt wird.

ERC-Anträge werden nach wissenschaftlicher Exzellenz bewertet. Das bedeutet, dass das Projekt sowohl Ambition als auch Glaubwürdigkeit zeigen muss. Bei der Begutachtung muss deutlich werden, warum die Forschung wichtig ist, warum sie aktuell ist, warum der Antragstellende die richtige Person ist, um sie zu leiten, und warum der vorgeschlagene Ansatz den versprochenen wissenschaftlichen Fortschritt liefern kann.
ERC Antrag 2027

1. Forschungsvision: Was wird möglich werden?

Ein überzeugender ERC-Antrag sollte auf einer klaren Forschungsvision aufbauen.

Ein hilfreicher Test ist die folgende Frage:

Was wird nach diesem Projekt möglich sein, was heute noch unmöglich ist?

Lässt sich die Antwort nur schwer formulieren, vermittelt der Antrag seine Ambitionen möglicherweise noch nicht klar genug.

Die Forschungsvision sollte mehr als nur das Thema des Projektes erläutern. Sie sollte die wissenschaftliche Herausforderung, die Lücke im aktuellen Wissensstand und die neuen Möglichkeiten verdeutlichen, die das Projekt erschließen soll.

Für die ERC-Bewertung ist diese Unterscheidung von Bedeutung. Ein Antrag, der ein relevantes Forschungsgebiet beschreibt, ist nicht zwangsläufig ein Antrag, der das Potenzial für Pionierforschung aufzeigt.

2. Bahnbrechender Charakter: Ist der Durchbruch erkennbar?

Von ERC-Anträgen wird erwartet, dass sie über exzellente Wissenschaft hinausgehen. Sie sollten ein Maß an Ambition aufweisen, das die Grenzen des Wissens erweitert.

Ein immer wiederkehrendes Problem bei ERC-Anträgen ist, dass die Neuartigkeit zwar vorhanden, aber nicht ausreichend erkennbar ist. Die Antragstellenden mögen den Durchbruch sehr gut verstehen, doch der Durchbruch sollte bei der Begutachtung unmittelbar erkennbar sein.

Der Antrag sollte von Anfang an deutlich machen:

  • wie das Projekt über den aktuellen Stand der Technik hinausgeht;
  • ob der Ansatz bestehende Annahmen oder Paradigmen infrage stellt;
  • welche wissenschaftlichen Möglichkeiten das Projekt eröffnen könnte;
  • warum die vorgeschlagene Forschung mehr ist als eine schrittweise Weiterentwicklung.

Viele Anträge erklären, was getan werden soll. Überzeugendere Anträge erklären, was möglich wird, wenn die Forschung erfolgreich ist.

3. Projektleitender: Warum gerade diese Person?

Bei der Bewertung durch den ERC steht nicht nur das Projekt im Mittelpunkt. Es werden auch die intellektuellen Fähigkeiten, die Kreativität und die Fähigkeit des Projektleitenden berücksichtigt, die vorgeschlagene Forschung durchzuführen.

Dies gilt insbesondere für Bewerbende um ein „Starting Grant“, die ihr Potenzial für wissenschaftliche Eigenständigkeit nachweisen müssen.

Ein überzeugender Antrag sollte deutlich machen:

  • warum die antragstellende Person die richtige Wahl für die Leitung des Projektes ist;
  • inwiefern die bisherigen Leistungen die angestrebten Ziele untermauern;
  • in welchen Bereichen bereits intellektuelle Führungsqualitäten unter Beweis gestellt wurden;
  • wie sich das Projekt in die bisherige wissenschaftliche Laufbahn einfügt.

Der Lebenslauf und die bisherigen Leistungen sollten nicht nur als Auflistung von Ergebnissen dienen. Sie sollten die Darstellung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit, Originalität und Fähigkeit zur Durchführung der vorgeschlagenen Forschung untermauern.

4. Projektbeschreibung: Können die Gutachtenden der Logik folgen?

ERC-Anträge werden von Gutachtenden gelesen, die dem jeweiligen Fachgebiet des Antragstellenden in unterschiedlichem Maße vertraut sind. Der Antrag muss daher fachlich fundiert sein und gleichzeitig für ein breiteres Fachpublikum verständlich bleiben.

Eine schlüssige Darstellung sollte den Lesenden führen von:

  • der wissenschaftlichen Herausforderung;
  • über die Forschungsmöglichkeit;
  • zum vorgeschlagenen Durchbruch;
  • zum methodischen Ansatz;
  • bis hin zum erwarteten wissenschaftlichen Fortschritt.

Wenn sich die zentrale Botschaft von Abschnitt zu Abschnitt ändert oder die Forschungsfragen, Ziele und Methodik unzusammenhängend erscheinen, wird die Bewertung des Antrages erschwert.

Klarheit ist kein stilistisches Detail. In ERC-Anträgen ist Klarheit Teil der wissenschaftlichen Positionierung.

5. Projektkonzeption: Unterstützt die Struktur das angestrebte Ziel?

Ein wettbewerbsfähiger ERC-Antrag erfordert eine Projektkonzeption, die die wissenschaftliche Vision untermauert.

Die Forschungsfrage, Ziele, Methodik und Arbeitspakete sollten alle auf dasselbe übergeordnete Ziel ausgerichtet sein. Wenn Arbeitspakete wie separate Miniprojekte wirken, kann der Antrag fragmentiert erscheinen.

Antragstellende sollten prüfen, ob:

  • die Methodik den versprochenen wissenschaftlichen Fortschritt erzielen kann;
  • die Arbeitspakete die wissenschaftliche Logik des Projektes widerspiegeln;
  • die Ziele nicht lediglich eine Auflistung von Aktivitäten sind;
  • Teil B1 die Vision und das Ziel klar vermittelt;
  • Teil B2 Vertrauen in die Durchführbarkeit und Umsetzung weckt.

Das Verhältnis zwischen Zielsetzung und Durchführbarkeit ist besonders wichtig. Ein Antrag sollte ambitioniert genug sein, um für den ERC relevant zu erscheinen, aber gleichzeitig so gut konzipiert, dass er die Gutachtenden davon überzeugt, dass die Arbeit erfolgreich umgesetzt werden kann.

6. Perspektive der Gutachtenden: Weckt der Antrag Vertrauen?

Eine hilfreiche Vorbereitungsmaßnahme besteht darin, den Antrag aus der Perspektive der Gutachtenden zu lesen.

Gutachtende müssen schnell verstehen:

  • worum es bei dem Projekt geht;
  • warum es wichtig ist;
  • warum es ehrgeizig ist;
  • warum der Antragstellende gut aufgestellt ist;
  • wie das Projekt umgesetzt wird.

Ein überzeugender ERC-Antrag sollte sowohl Begeisterung als auch Vertrauen wecken. In Teil B1 sollten die wissenschaftliche Vision und das Potenzial für einen Durchbruch deutlich gemacht werden. In Teil B2 sollte aufgezeigt werden, dass die Methodik, Ressourcen und der Umsetzungsplan glaubwürdig sind.

Wann sollten ERC-Antragstellende mit den Vorbereitungen beginnen?

Wann sollten ERC-Antragstellende mit den Vorbereitungen beginnen?
Es gibt keinen einheitlichen Zeitplan für die Vorbereitung, der für alle Antragstellenden gilt. Überzeugende ERC-Anträge entstehen jedoch selten in letzter Minute.

Ein typischer Vorbereitungsprozess könnte wie folgt aussehen:

6–12 Monate vor Ablauf der Einreichungsfrist
Entwickeln Sie die Kernidee, prüfen Sie das Potenzial für einen Durchbruch und holen Sie frühzeitig Feedback ein.

3–6 Monate vor Ablauf der Einreichungsfrist
Entwerfen Sie den Text des Antrages, verfeinern Sie die Projektpositionierung und bringen Sie die Zielsetzung mit der Machbarkeit in Einklang.

2–3 Monate vor Ablauf der Einreichungsfrist
Unterziehen Sie den Antrag einem Stresstest, identifizieren Sie Schwachstellen und verbessern Sie Klarheit, Konsistenz und Ausrichtung auf die Gutachtenden.
Dies ist oft die effektivste Phase, um externes Feedback einzuholen, da noch genügend Zeit bleibt, um sinnvolle Verbesserungen umzusetzen.

Letzte Wochen
Konzentration auf Feinschliff, Formatierung, Konsistenzprüfungen und Vorbereitung der Einreichung. In dieser Phase lassen sich größere konzeptionelle Änderungen nur schwer umsetzen.

Für die Ausschreibung des ERC Starting Grant 2027 bedeutet dies, dass Antragstellende bereits jetzt an dem wissenschaftlichen Konzept, der Logik des Antrages und der Positionierung arbeiten sollten.
ERC 2027

So unterstützt PNO Innovation ERC-Bewerbende

PNO Innovation begleitet Forschende während des gesamten ERC-Bewerbungsprozesses, vom ersten Konzept-Check über die Überprüfung des Antrages bis hin zur Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch.

PNO ERC-Unterstützung entdecken

Unsere ERC-Unterstützung umfasst:

  • ERC-Eignungsprüfung;
  • Konzeptentwicklung;
  • Überprüfung des Antrages;
  • Überprüfung des Lebenslaufes und der bisherigen Leistungen;
  • Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch;
  • strategische Beratung während des gesamten Bewerbungsprozesses.

In den letzten zehn Jahren hat PNO mehr als 500 ERC-Bewerbende in ganz Europa unterstützt, darunter Förderungen der Kategorien „Starting“, „Consolidator“, „Advanced“, „Synergy“ und „Proof of Concept“ in den Bereichen Physik und Ingenieurwissenschaften, Lebenswissenschaften sowie Sozial- und Geisteswissenschaften.

Unsere ERC-Spezialistinnen und -Spezialisten verfolgen zudem jährlich die Änderungen im Arbeitsprogramm und passen ihre Methoden entsprechend an, sodass die Bewerbenden eine Beratung erhalten, die auf den aktuellen Bewertungsrahmen abgestimmt ist.

Bereiten Sie einen ERC-Antrag vor?

Laden Sie die kostenlose ERC-Checkliste (EN) herunter, um zu prüfen, ob Ihr Projekt bereit ist für die Antragserstellung.

Oder wenden Sie sich an unsere ERC Excellence Group: erc@pnoinnovation.com

Sophie Rau – Ansprechpartnerin für ERC bei PNO Innovation

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