Fachforum “Investitionen in CO₂-arme Technologien – Prozesswärme im Fokus” am 30.06.2026 im Deutschen Biomasseforschungszentrum gGmbH (DBFZ) in Leipzig
Extremwetterereignisse, Hitzeperioden und zunehmende klimabedingte Schäden zeigen immer deutlicher: Der Klimawandel ist keine abstrakte Herausforderung der Zukunft. Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft ist bereits heute eine zentrale Aufgabe für Politik, Gesellschaft und Unternehmen.
Mit dem Pariser Klimaabkommen hat sich die internationale Gemeinschaft darauf verständigt, die globale Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, sie auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Für die Europäische Union bedeutet dies unter anderem, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % gegenüber 1990 zu senken und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Deutschland verfolgt ein noch ambitionierteres Ziel: Bis 2045 soll Treibhausgasneutralität erreicht werden.
Dieser Frage widmete sich das Fachforum „Investitionen in CO₂-arme Technologien – Prozesswärme im Fokus“, das am 30. Juni 2026 im Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig stattfand. Fachleute aus Wissenschaft, Energiewirtschaft und Praxis diskutierten aktuelle Entwicklungen, technologische Lösungsansätze und zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Transformationsstrategien in Unternehmen.
Ein Blick auf Energieverbrauch und Emissionen zeigt, warum der industrielle Sektor eine Schlüsselrolle spielt. Nach den im Fachforum vorgestellten Daten entfielen im Jahr 2023 rund 28 % des deutschen Endenergieverbrauchs auf die Industrie. Gleichzeitig war sie für rund 24 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Insgesamt lag der deutsche Endenergieverbrauch bei rund 2.268 TWh, die Emissionen bei rund 649 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalenten.
Bild: Dr. Anna Gruber/FfE, „Von der Einzelmaßnahme zur Transformationsstrategie: Was Unternehmen jetzt brauchen“
Damit wird deutlich: Wer die Klimaziele erreichen will, muss die Transformation industrieller Prozesse und insbesondere der Prozesswärme konsequent vorantreiben. Dabei gibt es nicht den einen Weg zur CO₂-Minderung. Emissionen können über verschiedene Hebel reduziert werden: durch einen geringeren Energie- und Ressourcenbedarf, höhere Energieeffizienz, den Ersatz fossiler Energieträger, direkte oder indirekte Elektrifizierung, erneuerbare Wärme, Green Fuels oder CO₂-Abscheidung.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem: Dekarbonisierung sollte nicht als einzelne Investitionsentscheidung verstanden werden, sondern als langfristige Transformationsstrategie.
Bevor neue Energieträger oder komplexe Technologien eingesetzt werden, lohnt sich zunächst der Blick auf den bestehenden Energieverbrauch. Energieeffizienzmaßnahmen können den Energiebedarf unmittelbar senken und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit späterer Dekarbonisierungsschritte verbessern.
Gerade in Industrieunternehmen können Prozessoptimierung, Abwärmenutzung, Wärmerückgewinnung oder ein systematisches Energiemanagement wichtige erste Schritte sein. Sie schaffen eine bessere Grundlage, um weitere Investitionen in CO₂-arme Technologien technisch und wirtschaftlich sinnvoll zu planen.
Investitionen in Energie- und Ressourceneffizienz können durch öffentliche Förderprogramme unterstützt werden. Die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) bietet Unternehmen verschiedene Fördermöglichkeiten für Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz.
→ Mehr zur BAFA-Förderung für Energie- und Ressourceneffizienz
Besonders relevant für die Industrie ist die Frage, wie fossile Prozesswärme ersetzt werden kann. Dabei hängt die geeignete Lösung stark vom jeweiligen Temperaturniveau und Produktionsprozess ab.
Für Nieder- und Mitteltemperaturprozesse stehen bereits heute verschiedene elektrische Lösungen zur Verfügung, darunter Wärmepumpen, Elektrokessel und Elektrodenkessel. Wärmebedarfe unter 150 °C lassen sich häufig bereits gut elektrifizieren. Prozesse zwischen 150 und 500 °C sowie insbesondere über 500 °C erfordern dagegen meist differenziertere, prozessspezifische Ansätze.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Welche Technologie ist die beste? Sondern: Welche Kombination von Technologien ist für den jeweiligen Standort, Prozess und Transformationspfad technisch und wirtschaftlich sinnvoll?
Mit der IF26 Heat Auction steht ein neues Förderinstrument des EU Innovation Fund für die Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme bevor. Der mit 1 Mrd. Euro ausgestattete Call soll Investitionen in CO₂-arme Wärmelösungen unterstützen und voraussichtlich im Dezember 2026 starten.
→ Mehr zur IF26 Heat Auction und den Fördermöglichkeiten
Elektrifizierung ist einer der zentralen Trends der Energiewende. Gleichzeitig wächst der Ausbau erneuerbarer Energien weltweit mit hoher Geschwindigkeit, insbesondere bei Wind- und Photovoltaikanlagen. Innovation ist dabei ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung.
Trotz dieser Dynamik bleiben die Herausforderungen groß. Konventionelle Energieträger stellen nach wie vor einen sehr hohen Anteil der Energieversorgung in Deutschland ebenso wie weltweit. Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet zwar voran, reicht nach den im Fachforum vorgestellten Analysen jedoch noch nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen.
Zugleich erhöht die zunehmende Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Wärme den Bedarf an leistungsfähigen Netzen, Speichern und flexiblen Verbrauchsstrukturen. Da Wind- und Solarstrom wetterabhängig eingespeist werden, gewinnen Flexibilitätsoptionen wie Netz- und Speicherausbau sowie Demand Side Management weiter an Bedeutung.
Mit dem im Juli 2026 veröffentlichten Electrification Action Plan will die Europäische Kommission die direkte Elektrifizierung in Europa deutlich beschleunigen. Der Aktionsplan adressiert dabei auch zentrale Voraussetzungen für die industrielle Transformation von wettbewerbsfähigen Strompreisen und leistungsfähigen Netzen bis zur schnelleren Einführung innovativer Elektrifizierungslösungen.
→ Mehr zum Electrification Action Plan der Europäischen Kommission
Für Industrieunternehmen wird damit nicht nur die Wahl der passenden Technologie entscheidend. Auch die Verfügbarkeit von Netzanschlussleistung entwickelt sich zu einem strategischen Faktor. Die FfE bezeichnete Netzanschlüsse in diesem Zusammenhang pointiert als „das neue Gold“.
Auch aus Fördersicht gewinnt die frühzeitige Klärung des Netzanschlusses an Bedeutung. Fehlende oder erst langfristig verfügbare Netzkapazitäten können die technische Umsetzbarkeit und den Zeitplan eines Dekarbonisierungsprojekts erheblich beeinflussen und damit auch die Bewertung der Projektreife im Rahmen eines Förderantrags.
Transformationsentscheidungen müssen künftig stärker berücksichtigen, welche Energieträger langfristig am Standort verfügbar sind, welche Netzkapazitäten bestehen, wie flexibel Produktionsprozesse betrieben werden können und welche Investitionen wirtschaftlich tragfähig sind. Aus einer rein technologischen Entscheidung wird damit zunehmend eine kombinierte Technologie-, Energie-, Infrastruktur- und Investitionsstrategie.
"Die industrielle Dekarbonisierung ist keine Frage einzelner Maßnahmen, sondern ein komplexer Transformationsprozess. "
Patrizia Bolognesi, EU-Projektkoordinatorin
Viele der notwendigen Technologien existieren bereits. Andere befinden sich noch auf dem Weg von Pilot- und Demonstrationsanlagen hin zum industriellen Maßstab. Gerade dieser Übergang ist entscheidend.
Neue Technologien müssen nicht nur technisch funktionieren. Sie müssen skalierbar, wirtschaftlich tragfähig und in bestehende industrielle Prozesse integrierbar sein. Gleichzeitig sind die erforderlichen Investitionen häufig hoch und mit technologischen, regulatorischen oder marktbezogenen Risiken verbunden.
Hier spielen europäische und nationale Förderprogramme eine wichtige Rolle. Instrumente wie der EU Innovation Fund, das LIFE-Programm oder weitere Fördermöglichkeiten auf europäischer und nationaler Ebene können Unternehmen dabei unterstützen, innovative Dekarbonisierungstechnologien zu demonstrieren, zu skalieren und schneller in den Markt zu bringen. Förderung ersetzt dabei keine Transformationsstrategie. Sie kann jedoch helfen, Investitionsrisiken zu reduzieren und innovative Projekte früher wirtschaftlich realisierbar zu machen.
Aus Sicht von PNO zeigt das Fachforum einmal mehr: Die industrielle Dekarbonisierung ist keine Frage einzelner Maßnahmen, sondern ein komplexer Transformationsprozess. Unternehmen müssen technische Optionen, wirtschaftliche Machbarkeit, regulatorische Anforderungen, Infrastrukturfragen und Finanzierungsmöglichkeiten gemeinsam betrachten.
Genau an dieser Schnittstelle unterstützt PNO Innovation Unternehmen: von der Einordnung geeigneter Förderprogramme über die Entwicklung tragfähiger Projektansätze bis hin zur Vorbereitung von Förderanträgen für innovative Industrie- und Dekarbonisierungsvorhaben. Als Innovations- und Fördermittelexperten begleiten wir Unternehmen dabei, aus technologischen Ideen förderfähige und umsetzbare Projekte zu entwickeln und so den Weg zu einer klimaneutralen Industrie aktiv mitzugestalten.
Patrizia Bolognesi
EU-Projektkoordinatorin
Kontakt aufnehmen
14/08/2026
10/08/2026
03/08/2026
Erfahren Sie, wie unsere Experten Ihre Innovation fördern können.
Ich akzeptiere die Datenschutzbestimmungen
*Pflichtfelder
This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.
Berücksichtigen Sie die Umwelt, bevor Sie drucken
Drucken