Fördermöglichkeiten der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen
Postinfektiöse Erkrankungen werfen für Forschung und Gesundheitsversorgung schwierige Fragen auf. Long COVID und Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Viele zugrunde liegende Krankheitsmechanismen sind bislang nur unzureichend verstanden. Zugleich stehen wirksame Behandlungsmöglichkeiten nur begrenzt zur Verfügung.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat deshalb die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen gestartet. Für die auf zehn Jahre angelegte Forschungsinitiative sind rund 500 Millionen Euro vorgesehen. Sie sollen die Erforschung dieser Erkrankungen und die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Ansätze finanzieren.
Für interdisziplinäre Forschungsverbünde bietet die am 20. Oktober 2026 veröffentlichte Förderrichtlinie neue Fördermöglichkeiten. Die Frist zur Einreichung von Projektskizzen endet am 27. Januar 2027.
Ziel der Nationalen Dekade ist ein besseres Verständnis der Ursachen und Krankheitsmechanismen postinfektiöser Erkrankungen. Langfristig sollen wissenschaftliche Erkenntnisse zu besseren Möglichkeiten für Diagnose, Therapie, Rehabilitation und Prävention führen.
Im Mittelpunkt stehen postakute Infektionssyndrome (PAIS). Dazu gehören Long-/Post-COVID und postinfektiöse ME/CFS, die nach unterschiedlichen Virusinfektionen auftreten können.
Die Nationale Dekade soll Grundlagenforschung, klinische Forschung und translationale Entwicklung enger miteinander verbinden. Zugleich soll die Perspektive von Patientinnen und Patienten systematisch in die Forschung einfließen.
So schafft die Initiative einen langfristigen Rahmen für wissenschaftliche Kooperationen und die Entwicklung innovativer medizinischer Ansätze.
Die neue BMFTR-Förderrichtlinie konzentriert sich auf die Erforschung der Pathomechanismen postinfektiöser Erkrankungen. Sie fördert interdisziplinäre Forschungsverbünde, die bereits wissenschaftlich begründete Krankheitsmechanismen weiter aufklären und funktionell charakterisieren. Zudem untersuchen die Verbünde, ob sich diese Mechanismen therapeutisch beeinflussen lassen.
Im Vordergrund stehen Long-/Post-COVID und postinfektiöse ME/CFS. Vergleichende Untersuchungen mit PAIS, die durch andere Infektionserreger ausgelöst wurden, sind ebenfalls möglich.
Besonders relevante Forschungsbereiche sind:
Die Forschungsprojekte müssen auf einer klar definierten, experimentell überprüfbaren Hypothese und belastbaren wissenschaftlichen Vorarbeiten aufbauen.
Interventionelle klinische Studien sowie rein explorative oder ausschließlich datenmodellierende Projekte sind dagegen nicht Gegenstand dieser Fördermaßnahme.
Die Ausschreibung richtet sich an Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Universitätskliniken und weitere Einrichtungen der Gesundheitsversorgung sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft.
Die Förderung umfasst interdisziplinäre Verbundprojekte mit einer Laufzeit von in der Regel bis zu drei Jahren. Dafür sieht die Förderrichtlinie einen nicht rückzahlbaren Zuschuss vor. Forschungseinrichtungen können unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung von bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen projektbezogenen Ausgaben erhalten. Für Unternehmen gelten dagegen anteilige Förderquoten.
Die Ausschreibung ist vor allem für Konsortien relevant, die klinische Expertise mit innovativen Methoden verbinden. Dazu zählen molekularbiologische, immunologische, biotechnologische oder datenwissenschaftliche Ansätze.
Aus unserer Sicht kommt es bei einer erfolgreichen Antragstellung auf drei Punkte an.
Die Förderrichtlinie erwartet ein klar begründetes Forschungskonzept, das auf bestehenden Erkenntnissen aufbaut. Reine explorative Forschungsansätze reichen nicht aus. Vielmehr müssen die Projekte konkrete Krankheitsmechanismen untersuchen und ihre Bedeutung nachvollziehbar darstellen. Dabei geht es um die Entstehung oder Ausprägung postinfektiöser Erkrankungen.
Erfolgreiche Verbünde müssen die erforderliche Expertise aus Grundlagenforschung, klinischer Forschung und gegebenenfalls industrieller Entwicklung zusammenführen. Zudem erwartet die Förderrichtlinie, dass Patientinnen und Patienten bereits bei der Konzeption und Durchführung der Forschungsprojekte aktiv mitwirken.
Die Ausschreibung konzentriert sich primär auf die mechanistische Forschung. Dennoch erwartet sie eine klare Perspektive für die zukünftige Nutzung der Ergebnisse. Dazu gehören beispielsweise die Entwicklung neuer diagnostischer Biomarker, die Validierung therapeutischer Zielstrukturen und die Vorbereitung weiterführender translationaler Forschung.
Die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen soll die medizinische Forschung in Deutschland langfristig stärken. Für Forschungsverbünde mit komplementären wissenschaftlichen und klinischen Kompetenzen ist die aktuelle Förderrichtlinie besonders relevant.
PNO Innovation verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung und Begleitung komplexer Forschungs- und Innovationsprojekte im Bereich Life Sciences & Health. Hierzu gehören auch europäische Projekte aus der Infektionsforschung und der Entwicklung innovativer antiviraler Technologien.
Im EU-Projekt TherVacB ist PNO Innovation an der Entwicklung eines neuen therapeutischen Ansatzes zur funktionellen Heilung chronischer Hepatitis-B-Infektionen beteiligt. Das Projekt verbindet virologische und immunologische Forschung mit klinischer Translation.
Im abgeschlossenen EU-Projekt VIROFIGHT war PNO Innovation ebenfalls Projektpartner. Das interdisziplinäre Forschungsvorhaben untersuchte eine innovative Technologie zur Neutralisierung von Viren durch synthetische Nanoschalen.
In beiden Projekten hat PNO Innovation interdisziplinäre Forschungsvorhaben begleitet. Sie verbinden Infektionsbiologie, innovative therapeutische Technologien und translationale Forschung.
Diese Erfahrung können wir bei der Vorbereitung neuer Forschungsverbünde im Bereich postinfektiöser Erkrankungen einbringen. Dazu gehören die Entwicklung überzeugender Projektkonzepte, die Konsortialbildung und die Darstellung wissenschaftlicher sowie gesellschaftlicher Wirkungen. Auch die Planung von Verwertung und Nachhaltigkeit zählt dazu.
Unser Fazit: Die aktuelle Ausschreibung ermöglicht eine vertiefte Erforschung postinfektiöser Erkrankungen. Damit kann sie Grundlagen für zukünftige diagnostische und therapeutische Innovationen schaffen. Wer über relevante Vorarbeiten und eine klar definierte Forschungshypothese verfügt, sollte die Möglichkeiten dieser Fördermaßnahme frühzeitig prüfen.
Sie möchten prüfen, ob Ihre Forschungsidee zur aktuellen BMFTR-Ausschreibung passt, oder benötigen Unterstützung beim Aufbau eines interdisziplinären Forschungsverbundes?
Dr. Michael Hagn und das Life Sciences & Health Team von PNO Innovation beraten Sie zu Ihren Fördermöglichkeiten. Außerdem unterstützen sie die strategische Entwicklung Ihres Projektkonzepts, die Konsortialbildung und die Vorbereitung eines wettbewerbsfähigen Förderantrags.
Einreichungsfrist für Projektskizzen: 27. Januar 2027
Weiterführende Informationen
Dr. Michael Hagn
Senior Consultant
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