Was es braucht, damit aus Verbundforschung ein erfolgreicher Austausch mit der Industrie entsteht
Technologische Durchbrüche entfalten ihre Wirkung nur selten allein durch exzellente Ingenieursarbeit. Entscheidend ist, dass Forschende, Industrie, politische Entscheidungsträger und künftige Anwender frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen und die Entwicklung von Innovationen gemeinsam gestalten.
In europäischen Verbundforschungsprojekten wird die Einbindung der Industrie häufig erst dann in den Blick genommen, wenn erste Ergebnisse vorliegen. Unsere Erfahrung zeigt jedoch das Gegenteil. Je früher sich Forschende, Unternehmen und politische Entscheidungsträger konkret austauschen, desto größer ist die Chance, dass vielversprechende Technologien später ihren Weg in die Praxis finden.
Für Projekte im Bereich der Innovationen für eine klimafreundlichen Luftfahrt bieten internationale Veranstaltungen wie die Farnborough International Airshow (FIA) eine der wenigen Gelegenheiten, Forschende, Flugzeughersteller, Zulieferer, politische Entscheidungsträger und Förderorganisationen an einem Ort zusammenzubringen. Gerade bei Technologien mit niedrigen Technology Readiness Levels (TRL) sind diese Gespräche besonders wertvoll. Sie helfen Forschenden, die Anforderungen der Praxis besser zu verstehen, und geben der Industrie frühzeitig Einblick in Technologien, die die nächste Generation der Luftfahrt prägen könnten.
Für Organisationen, die Verbundforschungsprojekte koordinieren, bedeutet das: Kommunikation und Stakeholder-Einbindung sollten nicht erst als Disseminationsmaßnahme am Ende eines Projekts verstanden werden. Vielmehr sollten sie von Beginn an gemeinsam mit der Forschung geplant werden, um die spätere Verwertung und den Impakt der Projektergebnisse zu maximieren.
Genau aus diesem Grund entschied sich das Horizon-Europe-Projekt MINIMAL, seine Forschungsarbeiten und ausgewählte Projektergebnisse auf der Farnborough International Airshow 2026 (FIA2026) zu präsentieren.
Aufbauend auf der erfolgreichen Teilnahme des Vorgängerprojekts ULTIMATE, dessen Forschung die Grundlage für MINIMAL legte, entschied das Konsortium, seine neu entwickelten Antriebskonzepte und Technologiedemonstratoren der internationalen Luftfahrtgemeinschaft vorzustellen und den direkten Dialog mit Industrie, Politik und Forschung zu suchen.
"Die Einbindung der Industrie ist oft dann am wertvollsten, wenn sich Technologien noch in der Entwicklung befinden – und nicht erst, wenn sie bereits ausgereift sind. Der frühe Dialog ermöglicht es Forschenden, ihre Innovationen an realen Anforderungen auszurichten. Gleichzeitig erhalten Unternehmen frühzeitig Einblicke in Konzepte, die die Zukunft der Luftfahrt mitgestalten könnten. "
Dr. Sandra Annetzberger , Teamleiterin bei PNO Innovation Deutschland im MINIMAL-Projekt
Die FIA2026 bietet die Möglichkeit, den Blick über das Projekt hinaus zu richten. Durch die Präsentation des ClimAvTech-Clusters (einem Zusammenschluss von Projekten aus dem Horizon Europe Cluster 5), von Förderinstitutionen und Industrievertretern entsteht Raum für den Austausch über die Zukunft klimafreundlicher Luftfahrtforschung: welche Technologien müssen künftig weiterentwickelt werden, wo die größten Forschungslücken liegen und wie die öffentliche Förderung Europas langfristige Luftfahrtstrategie unterstützen kann.
Besucher sehen meist nur den fertigen Messestand. Was sie nicht sehen, sind die monatelangen Vorbereitungen, die dahinterstecken.
Die konkrete Planung der MINIMAL-Teilnahme begann bereits im September 2025 – fast zehn Monate vor der Messe. Bereits zu Beginn des Projekts entschied das Konsortium bewusst, die FIA2026 als festen Bestandteil seiner Kommunikations- und Disseminationsstrategie einzuplanen. Dadurch wurde die Messe von Anfang an als integraler Bestandteil des übergeordneten Stakeholder-Engagement-Konzeptes des Projekts verankert.
Von diesem Zeitpunkt an fanden monatliche Abstimmungstreffen statt, um alle Beteiligten auf Kurs zu halten. Statt langer Berichtsrunden standen konkrete Entscheidungen im Mittelpunkt: Wer nimmt teil? Welche Technologien werden präsentiert? Welche Botschaft soll das Projekt vermitteln? Und wer übernimmt welche Aufgaben?
In den letzten vier Monaten nahm der Koordinationsaufwand deutlich zu. In dieser Phase wurden Ausstellerausweise organisiert, Reisen und Unterkünfte gebucht, Videos und Poster fertiggestellt und gedruckt, Transporte koordiniert und Kommunikationsmaterialien vorbereitet.
Eine Erkenntnis wurde dabei schnell deutlich: Erfolgreiche Stakeholder-Einbindung auf internationalen Veranstaltungen beginnt lange bevor das erste Poster gedruckt wird.
Hinter jeder erfolgreichen Präsentation eines Forschungs- und Innovationsprojektes stehen Monate der Abstimmung zwischen Forschenden, Kommunikationsexperten, Designern und Logistikteams. Diese Vorarbeit bleibt den Besucherinnen und Besuchern meist verborgen – sie ist jedoch entscheidend für eine erfolgreiche Stakeholder-Einbindung.
Ein gutes Beispiel dafür ist eines der Videos am Messestand. Für die Besucher ist es ein kurzer Film auf einem Bildschirm. Dahinter standen jedoch Forschenden, Kommunikationsexperten, Designern und Dienstleistern die mehrmonatige Zusammenarbeit von.
Für den Messestand gehörten die Koordination von neun Projektpartnern aus fünf Ländern und zwölf Forschenden und Ingenieuren, die während der gesamten Messe vor Ort waren, ebenso dazu wie die Abstimmung mit sechs Dienstleistern in Deutschland und Großbritannien, der internationale Versand, Zollformalitäten, Reiseorganisation, Teilnehmerinformationen, Social-Media-Aktivitäten, technische Postern, Videos, Give-Aways und der gesamten Logistik vor Ort.
Der Großteil dieser Arbeiten fand virtuell statt – lange bevor das Team in Farnborough eintraf.
Erfolgreiche Kommunikation in kollaborativen Forschungs- und Innovationsprojekten bedeutet, Stakeholdern verständlich zu vermitteln, wie unterschiedliche Forschungsaktivitäten gemeinsam zur Entwicklung einer Innovation beitragen.
"Die größte Herausforderung bestand nicht darin, den Messestand zu gestalten. Die eigentliche Aufgabe war es, die Beiträge von neun Partnern zusammenzuführen und als ein gemeinsames Projekt zu präsentieren. Jeder Partner hatte wertvolle Forschungsergebnisse vorzustellen. Unsere Aufgabe bestand darin, den Besucherinnen und Besuchern zu zeigen, wie all diese einzelnen Beiträge zu einer gemeinsame Botschaft und einem stimmigen Gesamtbild zusammengeführt werden. "
Dr. Chiara Lonoce , Senior Innovation Consultant bei PNO Innovation Deutschland
Diese Überlegung prägte jede Kommunikationsentscheidung.
Die Besucher erhalten einen Überblick über den europäischen Kontext – mit Informationen zum Projekt MINIMAL, seinem Vorgängerprojekt ULTIMATE sowie dem ClimAvTech-Cluster. Außerdem lernen sie die zentralen Antriebskonzepte von der Technischen Hochschule Chalmers und Bauhaus Luftfahrt kennen. Die Cranfield University, Rolls-Royce plc, die Aristoteles-Universität Thessaloniki und die Technische Universität Delft präsentieren zudem ihre Forschungsarbeiten zu unterstützenden Technologien.
Die acht technischen Poster sind so konzipiert, dass sie sich gegenseitig ergänzten, anstatt sich inhaltlich zu überschneiden. Jedes beleuchtet einen anderen Teil des Projekts und trägt gleichzeitig zur gemeinsamen Gesamtbotschaft bei. Die Exponate sind neben den jeweiligen Postern platziert, um technische Konzepte anschaulich zu machen, während die Videos den Forschungsprozess hinter den Ergebnissen sichtbar machen.
Selbst der Aufbau des Messestandes, die Give-Aways und sämtliche Kommunikationsmaterialien folgen dieser gemeinsamen Botschaft.
Die Forschenden möchten ihre Zeit für den fachlichen Austausch und Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern nutzen. Unsere Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass alles andere im Hintergrund reibungslos funktioniert.
Neben der Kommunikationsstrategie übernehmen wir die Koordination des Messestands, das Management der Dienstleister und die Organisation der Teilnehmenden. Dazu gehören unter anderem Informationen zur britischen Einreisegenehmigung (ETA), die internationaler Versand und Zoll, Reiseorganisation sowie die Terminplanung. Außerdem koordinieren wir die Erstellung technischer Poster und Videos, die Pressemitteilung, die Social-Media-Kampagne, Informationsunterlagen für die Teilnehmenden und die Abläufe vor Ort.
Unser Ziel ist es, die Teilnahme für das Konsortium so einfach wie möglich zu gestalten. Klare Vorlagen, praxisnahe Leitfäden, gemeinsame Dokumentenablagen und entscheidungsorientierte Abstimmungsgespräche reduzieren den administrativen Aufwand und lassen gleichzeitig genügend Spielraum für neue Ideen und kurzfristige Anpassungen.
Rückblickend hat sich gezeigt, dass diese Flexibilität ebenso wichtig war wie die eigentliche Planung. Aus unserer Erfahrung verbessert ein geringerer administrativer Aufwand zugleich die Qualität der Stakeholder-Einbindung.
In unserer Arbeit in Horizon-Europe-Projekten begegnen uns immer wieder drei Herausforderungen:
MINIMAL zeigt, dass sich diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen lassen, wenn Kommunikation und Stakeholder-Einbindung von Beginn an in das Projekts integriert ist.
Die Vorbereitung einer internationalen Fachmesse bedeutet weit mehr als die Buchung einer Ausstellungsfläche. Aus unserer Erfahrung sind dabei vor allem drei Aspekte entscheidend:
Die Vorbereitung von MINIMAL auf die FIA2026 hat eine Beobachtung bestätigt, die wir in vielen Verbundforschungsprojekten beobachten: Kommunikation beginnt nicht erst, wenn die Forschung abgeschlossen ist.
"One of the key strategic decisions the MINIMAL consortium made was to integrate FIA2026 into the project’s communication and dissemination strategy from the very beginning. As part of the project team from the proposal stage onwards, we saw how this turned stakeholder engagement into an integral part of the project, rather than just an activity at the end. "
Tanja Oster , Senior Innovation Consultant bei PNO Innovation Deutschland
"Eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen des MINIMAL-Konsortiums war es, die FIA2026 von Beginn an in die Kommunikations- und Disseminationsstrategie des Projekts einzubinden. Als Teil des Projektteams – bereits seit der Antragstellung – haben wir erlebt, wie dadurch die Stakeholder-Einbindung zu einem integralen Bestandteil des Projekts wurde und nicht nur zu einer Aktivität am Ende. "
Für uns bedeuten Kommunikation und Stakeholder-Einbindung weit mehr als Poster zu gestalten oder Veranstaltungen zu organisieren. Sie helfen Forschenden dabei, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln, schaffen Raum für den Dialog und sorgen dafür, dass exzellente Forschung die Menschen erreicht, die darauf aufbauen können.
Organisationen, die Horizon-Europe-Projekte vorbereiten, sollten daher die Einbindung relevanter Stakeholder bereits lange vor den ersten Projektergebnissen mitdenken. Wer ein Verbundprojekt plant, sollte dieses Gespräch bereits in der Antragsstellung beginnen – nicht erst vor der ersten Messe.
Innovation beginnt selten erst dann, wenn eine Technologie marktreif ist. Sie entsteht viel früher – wenn Forschende, Industrie und politische Entscheidungsträger miteinander ins Gespräch kommen.
Genau dabei unterstützt PNO Innovation Forschungs- und Innovationsprojekte – von der Antragstellung über das Projektmanagement bis hin zu Kommunikation, Dissemination, Stakeholder-Einbindung und Verwertungsplanung.
Die Beispiele in diesem Artikel stammen aus MINIMAL, einem europäischen Verbundforschungsprojekt zur Entwicklung von Antriebstechnologien der nächsten Generation für eine klimafreundlichere Luftfahrt. Unter der Leitung der Technischen Hochschule Chalmers vereint das Projekt führende Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Luft- und Raumfahrt aus ganz Europa. PNO Innovation Deutschland ist als Partner für Projektmanagement, Kommunikation, Dissemination und Stakeholder-Einbindung verantwortlich und bringt dabei seine langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Industriepartnern im Bereich Luftfahrt ein.
Mehr über das Projekt: https://www.minimal-aviation.eu/
Dieser Artikel spiegelt die Erfahrungen des MINIMAL-Teams bei PNO Innovation Deutschland wider: Sandra Annetzberger, Chiara Lonoce und Tanja Oster.
Dr. Sandra Annetzberger
Senior Consultant
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Dr. Chiara Lonoce
Tanja Oster
21/07/2026
20/07/2026
16/07/2026
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