August 10, 2026

Bioprozesse auf dem Prüfstand

BioValid fördert die technische und wirtschaftliche Validierung

Ein biotechnologischer Prozess, der im Labor funktioniert, ist noch lange kein tragfähiger Produktionsprozess. Mit Blick auf die industrielle Nutzung rücken andere Fragen in den Vordergrund: Wie robust ist das Verfahren? Lässt es sich skalieren? Und ist es wirtschaftlich tragfähig?

Der neue Förderaufruf „BioValid – Validierung für Innovationen in der industriellen Biotechnologie“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) setzt genau in dieser Entwicklungsphase an. Im Fokus dieses Beitrags steht Modul 1 „Testung und Validierung innovativer biotechnologischer Prozesse“, das sich gezielt an Unternehmen und unternehmensgeführte Verbünde richtet. Unternehmen können damit untersuchen, ob ein innovativer Bioprozess technisch machbar ist und zugleich eine wirtschaftliche Perspektive bietet.

 

Die Validierung als eigener Entwicklungsschritt

Der Übergang vom Labor in größere Maßstäbe ist in der industriellen Biotechnologie eine kritische Phase. Prozesse müssen sich unter veränderten Bedingungen bewähren, während gleichzeitig der Aufwand für Entwicklung und Infrastruktur steigt. Eine gezielte Validierung kann hier wichtige Erkenntnisse für die weitere Skalierung liefern.

BioValid richtet sich an Vorhaben, bei denen die Validierung eines innovativen Bioprozesses im Mittelpunkt steht. Dabei sollen konkrete Fragen zur techno-ökonomischen Machbarkeit geklärt werden.

Das können beispielsweise Prozessrobustheit, Produktivität oder Ausbeute sein. Welche Parameter relevant sind, hängt vom jeweiligen Verfahren ab. Wichtig ist, dass sich anhand messbarer Ziele beurteilen lässt, ob der Prozess nach Abschluss der Validierung eine realistische Perspektive für die weitere industrielle Entwicklung hat.

 

Technologie und Business Case gehören zusammen

Bei BioValid ist die wirtschaftliche Perspektive Teil der Validierung. Das federführende Unternehmen soll den untersuchten Prozess bei erfolgreicher Validierung in die wirtschaftliche Anwendung überführen wollen.

Für die Projektentwicklung heißt das: Die technische Forschungsfrage allein reicht nicht aus. Ebenso wichtig ist, welche wirtschaftliche Unsicherheit durch das Projekt reduziert werden soll. Wer beispielsweise die Skalierbarkeit eines Prozesses untersucht, sollte auch zeigen können, warum dieser Nachweis für die weitere Verwertung relevant ist.

Damit kann die Validierung eine wichtige Entscheidungsgrundlage schaffen: Lohnt sich der nächste Schritt? Sind weitere Investitionen in Scale-up und Markteinführung sinnvoll? Für Ansätze mit guten wirtschaftlichen Chancen sieht der Förderaufruf zudem die Möglichkeit einer Anschlussförderung vor.

 

Welche Bioprozesse kommen infrage?

Das Anwendungsspektrum ist breit. Gefördert werden unter anderem biotechnologische Prozesse zur Herstellung von Plattform- und Feinchemikalien, Schmierstoffen, Klebern und Beschichtungen. Auch die mikrobielle oder enzymatische Produktion von Proteinen für Lebens- und Futtermittel sowie funktionaler Proteine und Peptide für technische Anwendungen ist adressiert.

Unternehmen können ein Vorhaben allein oder in einem Verbund unter industrieller Führung mit bis zu drei Partnern durchführen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen können als Partner eingebunden werden.

Die Vorhaben laufen bis zu zwölf Monate, die Fördersumme beträgt bis zu 90.000 Euro pro Partner (inklusive Projektpauschale). Für die erste Stufe ist eine Projektskizze von maximal fünf Seiten vorgesehen. Einreichungsfrist für Modul 1 ist der 7. September 2026.

 

Wann passt BioValid zum eigenen Vorhaben?

BioValid ist vor allem für Unternehmen interessant, deren Prozess bereits über eine technologische Basis verfügt, bei denen vor der weiteren Skalierung aber noch belastbare Daten fehlen.

Für eine mögliche Projektidee sollte sich deshalb konkret benennen lassen, was innerhalb der zwölf Monate validiert werden muss und welche Entscheidung das Ergebnis anschließend ermöglicht. Ebenso wichtig sind geeignete Performance-Indikatoren, mit denen sich der Erfolg des Vorhabens nachvollziehbar messen lässt.

Unternehmen, die diese Fragen für ihren Bioprozess bereits konkret beantworten können, sollten jetzt prüfen, ob sich das Vorhaben für BioValid eignet.

PNO Innovation unterstützt Unternehmen bei der Einordnung ihrer Projektidee, der Definition geeigneter Validierungsziele und der Entwicklung einer schlüssigen Projektskizze für BioValid.

 

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Susann Pohlers, Senior Consultant bei PNO Innovation

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