Dezember 13, 2025

Was die neue ERC-Antragsstruktur bedeutet – Erste Erkenntnisse aus der Praxis

ERC Grants 2026+: Was Forschende jetzt über die neuen Anforderungen an B1 und B2 wissen müssen

Die ERC Grants gehören zu den bedeutendsten europäischen Förderinstrumenten für exzellente, grundlagenorientierte Forschung – mit einem Gesamtbudget von 16 Milliarden Euro im Zeitraum 2021–2027. Seit den ERC Starting Grants 2026 gelten erstmals umfassende Änderungen für die beiden zentralen Projektdokumente B1 und B2, die den Antragsprozess sowie die inhaltlichen Erwartungen substantiell verändern.

In diesem Insight teilen wir unsere ersten Erfahrungen aus der Praxis und zeigen auf, wie sich die neuen Anforderungen auf Strategie, Ausarbeitung und Erfolgschancen auswirken.

1. Überarbeitete Struktur: Neue Rollen von B1 und B2

Die ERC hat die inhaltliche Definition von B1 und B2 grundlegend erneuert. Besonders relevant:

  • B2 wurde gekürzt – damit steigt der Druck, methodische Komplexität in deutlich verdichteter Form darzustellen.
  • Die Schreiblogik verschiebt sich: Eine klare Trennung zwischen Vision (B1) und Umsetzung (B2) ist heute strategisch entscheidend und keine Wiederholungen von Teilen B1 und B2 sind mehr erwünscht.
  • Für B1 gelten deutlich höhere Anforderungen an Klarheit, Struktur und Narration, obwohl Stage 1 weiterhin ausschließlich auf B1 basiert.

Konsequenzen für Antragstellende

  • B1 muss die wissenschaftliche Idee außergewöhnlich klar, originell und narrativ überzeugend transportieren.
  • B2 muss in stark komprimierter Form die Machbarkeit nachweisen: Methodik, Arbeitspakete, Risiken, Ressourcen und Zeitplan – stringent, konsistent und nachvollziehbar.

Der Übergang zwischen Konzeption (B1) und Methodik (B2) führt in der Praxis häufig zu Unsicherheiten: Wo hört die wissenschaftliche Motivation auf, wo beginnt die eigentliche Implementierung? Fehlende Abgrenzungen erzeugen schnell Redundanzen oder Lücken.

2. Strategische Implikationen: Präzise Trennung zwischen Vision und Umsetzung

Die neue Struktur zwingt Antragstellende dazu, den gesamten Antrag stärker strategisch zu denken:

B1: Vision, Originalität, Dringlichkeit

  • Präsentation der wissenschaftlichen Idee: neu, mutig, hochrelevant.
  • Narrative Kohärenz ist wichtiger denn je – ein ungewohnter Ansatz für viele Forschende.
  • Klar erkennbare wissenschaftliche Lücke und überzeugender Erkenntnisgewinn.

B2: Realisierbarkeit und belastbare Methodik

  • Darstellung eines machbaren, logisch aufgebauten Projektplans.
  • Saubere Strukturierung der Methodik trotz reduziertem Umfang.
  • Klare Darstellung von Ressourcen, Risiken und Zeitplan.

Nur wer beide Teile stringent zueinander in Beziehung setzt – Vision in B1, Umsetzung in B2 –, kann das ERC Panel vollständig überzeugen.

3. Eligibility-Regelungen: Erweiterte Möglichkeiten, aber höhere Komplexität

Die ausgeweiteten Eligibility Windows (teilweise erst ab 2027 wirksam) schaffen neue Optionen für potenzielle Antragsteller. Gleichzeitig steigt die Komplexität:

  • Präzise Kenntnis aller Definitionen und Ausnahmen ist notwendig.
  • Individuelle Karriereverläufe lassen sich flexibler abbilden – aber nur, wenn die Regeln korrekt angewendet werden.

Wir beobachten derzeit einen hohen Beratungsbedarf, insbesondere bei atypischen Karrierepfaden und Unterbrechungen.

4. Erste Beobachtungen aus dem Arbeitsprogramm 2026

Die ersten Ausschreibungen nach dem neuen Modell zeigen deutliche Trends:

  • Success Rates liegen teilweise unter 10 %.
  • Projekte haben nur realistische Chancen, wenn
    • die Idee in B1 außergewöhnlich stark kommuniziert wird, und
    • B2 eine nachvollziehbare, realistische und risiko-robuste Umsetzung präsentiert.
  • Kurze, klar strukturierte Dokumente setzen Antragstellende unter höheren Präzisionsdruck.

5. Ausblick: Einführung der ERC Plus Grants ab 2026/2027

Das ERC-Portfolio wird um ein neues Format erweitert:

  • ERC Plus Grants
  • Bis zu 30 Projekte pro Jahr
  • Projektlaufzeit: bis zu 7 Jahren
  • Fördervolumen: bis zu 7 Mio. Euro
  • Voraussichtliche Deadline: September 2026

Diese Grants adressieren langfristige, bahnbrechende Forschungsrichtungen, die über klassische ERC-Formate hinausgehen.

Fazit: Erfolgreiche ERC-Anträge erfordern neue Strategien

Die Reform von B1 und B2 verschiebt den gesamten Fokus des Antrags:

  • B1 muss stärker überzeugen als je zuvor – durch wissenschaftliche Exzellenz und klare, inspirierende Kommunikation.
  • B2 verlangt präzise Machbarkeitsbelege trotz geringerer Textlänge.
  • Die erweiterten Eligibility-Regeln eröffnen Chancen, setzen aber ein tiefes Verständnis der Ausnahmen voraus.

Wer das Zusammenspiel dieser Elemente beherrscht, kann sich auch in einem zunehmend kompetitiven Umfeld erfolgreich positionieren.

 

Kontakt

Name: Karin Rosenits

E-Mail: Karin.Rosenits@pnoinnovation.com

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